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Schafe

Die Haltung von Schafen im Freien gibt sowohl in den heissen Sommermonaten als auch während der Winterzeit immer wieder Anlass zu Diskussionen.

Beim Treiben von Wanderschafherden werden Tiere aus verschiedenen Betrieben zusammengebracht und durch Gebiete mit weiteren Tierhaltungsbetrieben getrieben. Um die möglichen Gefahren für die Verbreitung von Krankheiten zu vermindern, erlassen die Kantone seuchenpolizeiliche Vorschriften für Wanderschafherden.


Kommentar zur Schafhaltung im Freien

Schafe auf der Weide

Ein Hauptgrund für die Diskussionen rund um die Schafhaltung dürfte wohl der Umstand sein, dass in der Schweiz viele Schafe «so nebenbei» gehalten werden und dass einzelne Hobbyschafhalter nur wenig Kenntnis über die wirklichen Bedürfnisse von Schafen besitzen. Umgekehrt haben aber auch viele Leute, die nicht mehr im Umfeld von Nutztierhaltungen aufgewachsen sind, ebenfalls eigene Vorstellungen von einer artgerechten Tierhaltung, die sich mit dem derzeitigen Wissensstand der Verhaltensforschung nicht vereinbaren lassen.

 

Wie sieht nun die rechtliche Situation für die Schafhaltung in der Schweiz aus? Die Rechte, die allen Wirbeltieren in der Schweiz zustehen, sind im Tierschutzgesetz geregelt. Tiere müssen so behandelt werden, dass ihren Bedürfnissen in bestmöglicher Weise Rechnung getragen wird. Ein Tierhalter muss die ihm anvertrauten Tiere angemessen füttern, pflegen und ihnen soweit nötig Unterkunft gewähren. In der Tierschutzverordnung wird noch etwas präziser gesagt, dass der Tierhalter dann für eine Unterkunft der Tiere sorgen muss, wenn sich Tiere den klimatischen Verhältnissen nicht anpassen können. Im Weiteren sind frisch geschorene Schafe vor extremer Witterung zu schützen. In der Amtsverordnung des Bvet über die Haltung von Haustieren wird präzisiert, dass in einem Witterungsschutz alle Tiere gleichzeitig Platz finden müssen und dass die Schur der Wolle bei Schafen, die dauernd im Freien gehalten werden, zeitlich so zu erfolgen hat, dass die Dicke des Vlieses an die Witterungsverhältnisse angepasst ist.

 

In den Vorschriften wird berücksichtigt, dass die Schafe grundsätzlich wenig kälteempfindlich sind und bei einer Wollvliesdicke von etwa 3 cm problemlos bis zu Temperaturen von – 15 ° C im Freien gehalten werden können.

 

Geschorene Schafe und Lämmer sind aber kälteempfindlich und müssen wie oben erwähnt, aufgestallt werden, wenn die Durchschnittstemperaturen unter 0° C fallen. Als optimal wird für Lämmer bis zu einem Alter von 2 Wochen eine Temperatur von 10°C angesehen.

 

Aus diesen Erkenntnissen lässt sich ableiten, dass je nach Wetterverhältnissen und Wettervorhersagen hochträchtige Auen eingestallt werden müssen, weil die Schafhalter ja jeweils den genauen Ablammtermin nicht kennen. Für fachkundige Schafzüchter ist das eine Selbstverständlichkeit und das ist auch mit ein Grund, weshalb in Wanderschafherden das Mitführen von trächtigen Auen verboten ist.

 

Kommen die Lämmer doch einmal in einer Frostnacht zur Welt und ist mit anhaltenden Temperaturen unter dem Gefrierpunkt zu rechnen, müssen die Tiere für die nächsten 2 Wochen in einen Stall verbracht werden.

 

Im Sommer muss ein Schattenplatz zur Verfügung stehen und bei längeren Regenperioden zwischen Spätherbst und Frühjahr müssen die Tiere einen trockenen und windgeschützten Liegeplatz aufsuchen können. Nicht allgemein bekannt ist auch, dass Schafe im Gegensatz zu Rindern problemlos gefrorenes Gras fressen können und wenn die Schneedecke nicht höher als etwa 25 cm und nicht steinbein geforen ist, sind Schafe auch in der Lage das Gras hervorzuscharren.

 

Schafe sind daher recht anpassungsfähig und geduldig. Sie sind aber doch so weit domestiziert, dass man sie bei extremen Witterungsverhälnissen nicht einfach sich selber überlassen kann. Ersteres ist leider bei unserer immer stärker urbanisierten Gesellschaft zu wenig bekannt und Letzteres muss einigen unkundigen und widerspenstigen Schafhaltern von den Vollzugsbehörden immer wieder beigebracht werden.