Accesskeys

Radioaktivität

Flüssigkeit wird für die Analyse abgemssen

Als Radioaktivität bezeichnet man die Eigenschaft bestimmter Atomkerne eines Elementes, von selbst, d.h. ohne äussere Einwirkung, zu zerfallen.

Die Atomkerne wandeln sich in andere radioaktive oder auch stabile Kerne des gleichen oder eines anderen Elementes um. Dabei wird radioaktive (bzw. ionisierende) Strahlung ausgesandt. Diese wird je nach Art als Alpha-, Beta- oder Gamma-Strahlung bezeichnet. Die Zeit, in der jeweils die Hälfte einer gegebenen Startmenge bestimmter Kerne (eines Elementes) zerfällt, ist konstant, sie wird als Halbwertszeit bezeichnet. Dies hat zur Folge, dass mit zunehmender Zeit die Intensität der radioaktiven Strahlung abnimmt.

Messeinheit: Die Anzahl Zerfälle in einer Sekunde nennt man die Aktivität. Sie wird in der Einheit Becquerel (Bq) gemessen: 1 Bq bedeutet ein Zerfall pro Sekunde. Das AVSV ist kantonale Anlaufstelle für Radioaktivität in Lebens- und Futtermitteln.


Radioaktivität natürlichen Ursprungs

Wie alle Materie dieser Welt sind auch wir Menschen immer und überall ionisierender Strahlung ausgesetzt. Die Ursache dafür sind natürliche Strahlenquellen, die unabhängig vom Menschen entstanden sind.

Aus der Sonne und den Tiefen des Weltalls gelangt kosmische Strahlung auf die Erde. Sie besteht im wesentlichen aus energiereichen Teilchen und aus Gamma-Strahlung. Auf ihrem Weg durch die Lufthülle wird die kosmische Strahlung teilweise absorbiert. Am niedrigsten ist die Dosisleistung der kosmischen Strahlung auf Meeresniveau; mit der Höhe nimmt die Dosisleistung zu. Wegen der Abhängigkeit der Intensität der kosmischen Strahlung von der Höhe über dem Meeresspiegel werden Flugpassagiere und -personal einer erhöhten kosmischen Strahlung ausgesetzt. Während einem Flug von Europa nach Nordamerika entspricht die dabei erhaltene Dosis aus der kosmischen Strahlung etwa derjenigen einer Röntgenaufnahme der Gliedmassen.

Ein anderes Beispiel ist die im Boden vorkommende natürliche Radioaktivität: Ein Kilo Erde hat im Mittel eine Aktivität von einigen hundert Bq, wobei mehrere Radionuklide dazu beitragen. Die von ihnen ausgehende Strahlung wird als terrestrische Strahlung bezeichnet. Die wichtigsten Elemente, die einen Beitrag zur terrestrischen Strahlung leisten, sind Kalium, Uran mit seinem Zerfallsprodukt Radium und in bestimmten Regionen Thorium.

Aus dem Boden gelangen die natürlichen Radionuklide in Wasser, Pflanzen und Tiere und damit in die Nahrung des Menschen. Alle unsere pflanzlichen und tierischen Nahrungsmittel sowie das Wasser enthalten natürliche Radionuklide. Mit jedem Kilogramm unserer Nahrung nehmen wir im Mittel etwa 100 Bq an natürlichen Radionukliden auf. Dabei überwiegt das radioaktive Kalium-40, mit einer Halbwertszeit von 1,28 Milliarden Jahren.

Die Aktivität im Körper beträgt etwa 8'000 Bq. Das dabei wesentliche Nuklid ist wiederum Kalium-40. Das bedeutet, dass in unserem Körper jede Sekunde achttausend Kernzerfälle stattfinden. Dies führt zu einer inneren Bestrahlung. Wegen der regelmässigen Aufnahme und Ausscheidung , insbesondere von Kalium-40, wird auf diesem Niveau ein Gleichgewicht erreicht. Die kurze biologische Halbwertzeit von Kalium-40 verhindert ein stetes Ansteigen im Laufe des Lebens.


Künstlich erzeugte Radioaktivität in unserer Umwelt

Künstliche Radioaktivität in unserer Umwelt stammt insbesondere von den Kernwaffenversuchen der 60er Jahre, vom Reaktorunfall Tschernobyl, aber auch von Industrie, Medizin und Forschung. Nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl wurde bei uns mit der Nahrung zum Beispiel radioaktives Cäsium-134 und Cäsium-137 aufgenommen. Die Bevölkerung in der Schweiz hatte deshalb 1986 im Mittel eine Aktivität von rund tausend Bq im Körper zusätzlich aufgenommen.


Der Körper scheidet Cäsium mit einer (biologischen) Halbwertszeit von rund drei Monaten wieder aus, das heisst, lange bevor alle eingebauten Cäsium-Atomkerne zerfallen sind.


 

AC-Labor

Das AVSV ist kantonale Anlaufstelle für Radioaktivität in Lebens- und Futtermitteln. An der Blarerstrasse 2 in St. Gallen ist ein geschütztes, unterirdisches AC-Labor eingerichtet. Damit wird gewährleistet, dass bei Krisensituationen die kantonsinternen Messbedürfnisse, die sich aus der speziellen regionalen und topografischen Gliederung des Kantons ergeben, abgedeckt werden können.


Da sich nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl im Jahre 1986 die Belastung der Nahrungsmittel weitgehend normalisiert hat, beschränkt sich die momentane Tätigkeit bei kritischen Lebensmitteln wie z. B. Pilzen auf die periodische Erhebung von Proben. Die Messungen werden in Chur durchgeführt.

Servicespalte

Kantonale Radon-Informationsstelle

 

Die Fachstelle Radioaktivität am AVSV ist zugleich kantonale Radon-Informationsstelle. Gestützt auf die zwischen 1995 und 1997 durchgeführten Messungen in den Gemeinden kann festgehalten werden, dass es im Kanton St.Gallen keine Radongebiete im Sinne der Definition des Bundesamtes für Gesundheit gibt.